„Ach, meinst du, ja?“

MalenGleich vorweg, um Enttäuschungen vorzubeugen – diese Zeilen handeln weder von US-Cäsaren noch von Sex. (Die Verbindung beider Themenkomplexe verböte sich selbstredend auch, aus naheliegenden ästhetischen Gründen)
Ich weiß, das schließt schon mal einen großen Leserkreis aus. Sei`s drum.
Bei Schreibern gibt es ja das bekannte Motto „Schreib über das, wovon du Ahnung hast.“ Das ist leider kein Standard für den Alltag. Du findest kaum noch jemanden, der sein universales Meinungsbild nicht allen zur Verfügung stellen will. Meistens ungefragt. Ich wünsch mir ab und an noch Menschen, die sich zu sagen trauen, „davon versteh ich nix.“ Die musst du mit der Lupe suchen.
Heutzutage erzählt dir Jeder und Jede etwas über Wirtschaftswissenschaften, Power-Yoga, Wertewandel, Wertpapiere, Machtverteilung, Klima, Kräuterheilkunde, Sitten und Unsitten ferner Länder – vom nahen Osten (nein, nicht Mecklenburg) reden die Leut, als hätten sie zehn Jahre im Suq ihre Brötchen verdient.
Ein entscheidendes Merkmal des eifernden Meinungs-Logorrhoes ist, dass er hart und unverrückbar daherkommt, wie eingemeißelt für die Ewigkeit. Zweifel oder Argumente prallen ab, wie von – na klar – einer Mauer. (Irgendwann im Text muss ich doch schliesslich eine Mauer einziehen)
Da kommt mir ein Brauch der alten Schweden in den Kopf. Wie die im dreißigjährigen Krieg ihren Schwedentrunk verabreicht haben, also unglücklichen Nichtschweden über einen Trichter den Wanst mit Jauche gefüllt haben, bis zum Platzen. Hatte aber mutmaßlich nichts mit Midsommarfestivitäten zu tun.

Dabei ginge es auch „alternativ“.
Ein viel gelesenes Blatt hat unlängst sinngemäß auf Seite Eins getitelt: „TV Transe verprügelt Boxer nach Sex.“
Das hat mich wirklich mal angesprochen. Ob Wahrheit oder erstunkenes Märchen, davon hätt ich gern mehr gelesen. Und ich denk mir, ja, das sind die wahren Leisten des Schusters, davon verstehen die wirklich was. Mit sex Wörtern die Leute an den Zeitungskiosk locken, ist besser als den Schwedentrunk schöpflöffelweise als misanthropisches Faktensüppchen zu verabreichen, wie es immer mehr Usus wird.
Und so ganz im Ernst – dann stehst du als Schreiber da und machst dir einen Kopf, ob du mittanzt im Narrenreigen, es sogar mit eigenen Argumenten versuchst oder doch besser beim Geschichtenerzählen bleibst. Das sind ja meine „Leisten.“
Wahrscheinlich sollte man nur noch Stories für Kinder erzählen. Weil, wenn ihre elterlichen Vorbilder den Kurzen hierzulande oder sonst wo auf dem Erdenrund nur noch Engstirnigkeit und Feindseligkeit ins Hirn pflanzen, wächst da was Schrumpeliges und Verkümmertes heran, dass, statt zu blühen, gleich verfaulen und verschimmeln wird. Und dann hast du einem Klimawandel der ganz anderen Art, da können die Chinesen mal ausnahmsweise nix dafür.

Und das bringt mich auf die Idee, wie wärs, wenn man heute einfach ein Buch an irgendein Kind verschenkte? Einfach so. Mit bunten Bildern, viel Fantasie und einem tröstlichen Ende. Zum Mitfiebern und zum Freuen, mit oder ohne Worte. Die sind ja nicht immer wichtig. Und auf Hintergedanken wird geschissen, um im historischen Schwedenbild zu bleiben.
Ich mach das heute so, und es wäre genial, wenns sich Nachahmer fänden. Ein Stückerl Unbeschwertheit und Fantasie, das lässt sich problemlos hergeben. Auf geht’s.
Weil, wenn die Schmierereien der greisenhaften Schwarzmaler verblasst sind, wärs doch gut zu wissen, dass die Kids Farben im Gepäck haben, um das Gestrige so was von hinweg zu pinseln.
Wem das jetzt allerdings zuviel in Watte gepacktes Pathos ist – dem kann ich nichts entgegensetzen. Wozu auch Argumente?

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Über Roland Krause

Autor aus München Romane: "Der Sandner und die Ringgeister" Piper Verlag 2011 "Fuchsteufelswild" Piper Verlag 2012 "Der Tod kann warten" 2013 "Hurenballade - Stories" 2016
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