Verrückt Euch!

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In meinem Lieblingsdiscounter stand unlängst ein Mensch vor mir, der meine Aufmerksamkeit und meine Fantasie erregt hat – aber nein, nicht im Sinne der Bonobo-Beziehungspflege.
Es war ein eher unscheinbarer Mann um die Sechzig, hager, in Graubraun gewandet, der vor mir seine Einkäufe auf dem Band platziert hatte:

Zwei Mirabellen-Joghurts (jetzt weiß ich endlich, wer so was mag), Bananen, Emmentaler, Parmesan, eine Packung Toast und zwei Paprika.
Ich weiß, Spannung schreibt sich anders. Geduld.
Das Wundersame war: Der ganze Einkauf war gelb.
Die Toastpackung und die Paprika inklusive.
Zufall?
Hab ich eine neue Diätmasche verpasst? „Yellow-Carb“?
Der Mann sah nicht wie der klassische „Brigitte-Leser“ aus. Auch ein Waschbrettbauch lag mutmaßlich außerhalb seiner Interessensphäre.
Die Auflösung kann ich nicht liefern. Du baust dich ja nicht im Laden vor jemandem auf und fragst, warum zum Teufel kaufst du nur gelbe Sachen? Rück raus mit der Wahrheit! Ist das was Religiöses, Bruder? Da muss es doch einen Grund, einen tieferen Sinn geben. Den werde ich wohl nie erfahren.

Ich stell mir jetzt aber vor – oder möchte es mir vorstellen – vielleicht war der Urheber ein spontaner, verrückter Gedanke. Heute gelb, morgen rot, übermorgen nur Nahrung mit sechs Beinen oder so.
Das Versponnene ist ja das wirklich Mutige. Und wenn du das weiterspinnst, oder besser – den Faden aufnimmst – musst du aufpassen, dass nicht ein hässlicher Misanthrop in dir heranwächst.
Weil die Idee, „ich mach was Verqueres, weil das einfach gerade in mir steckt“, war selten so von gestern wie heutzutage.

Das Sandmännchen kommt ja jetzt zu jeder Tageszeit daher. Dass zum Beispiel eine Beziehung dahin schnarchen kann wie das ungeküsste Dornröschen, macht ja nix, solange nicht einer von zweien (oder mehreren) plötzlich die Augen aufschlägt und sich umschaut. Aber hilfreich für guten Schlaf ist sicher, dass man sich jedes Bizarr-Kabarett, jeden Firlefanz in HD-Qualität reinziehen kann, ganz ohne aufzustehen. Da kommt einem irgendwann jeder Tag wie ein altes Hutzelmännchen vor, dass mit seinen Filzpantoffeln unablässig einen fensterlosen Gang entlang schlürft. Manchmal verharrt es kurz, seufzt auf und kratzt sich den struppigen Bart – ach ja.

Ich glaub, man könnte sich selbst verdammt überraschen, wenn man sich lässt. Und zu verlieren gibt’s da nix. Zumindest nix, was man nicht sowieso längst abgeschrieben hat.
Das hier ist also ein kleiner Appell für mehr Verrücktheit.
Ob man heut nur gelbe Sachen verputzt oder sich in ein Abenteuer reißen lässt – zur Abwechslung ganz ohne Netz und Fallschirm.
Ob du den größten Deppen weit und breit mit Rosen überrascht, dir daraus einen Dornenrock häkelst, in weißen Leggins zu Schostakowitsch tanzt oder bei Kerzenlicht einer Miesmuschel erotische Gedichte zwischen die Schalen hauchst. What ever – könnte alles spannender sein als ein Nix in HD.

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Nach-Lese

Roland Krause LAndsbergDieses große DANKESCHÖN gilt den Menschen, die bei der langen Kunstnacht in Landsberg mit dabei waren und sich meine Geschichten aus „Hurenballade“ angehört haben (und natürlich auch jenen, die ein Buch mit nach Hause genommen haben)

 

Es war ein großer Spaß, im Disky zu lesen und falls jemand mal nach Landsberg kommt:
Schaut rein in den Laden! Die Leut dort sind sympathisch und haben Ahnung. Was dort an Büchern, Filmen und Musik zu finden ist, hat richtig Klasse.
…und der Rotwein hat auch nicht geschwächelt…

 

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Wort zum Samstag (Die Lesung)

Unterhaltsam wird’s am 17.9. in Landsberg am Lech.
Dort lese ich nämlich (dreimal) im Rahmen der „langen Kunstnacht.“
So wirds beschrieben:
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DISCY MusikBuchHandlung
Herzog-Ernst-Str. 179b
Autorenlesung mit Roland Krause. Der Autor liest aus seinem Buch
„Hurenballade“, erschienen im Balaena Verlag, Landsberg.
20.00, 21.00 Uhr,
22.00 Uhr, jeweils
15 – 25 Minuten

Dass während der Kunstnacht der ganze Ort nur so strotzt vor Sehens- und Hörenswertem und Lebendigkeit oder so ähnlich – darauf freu ich mich besonders – und bin gespannt.
Das wird sich abspielen:
Flyer der langen Kunstnacht

Und so nebenbei:
Falls wer noch nie in Landsberg war – am Lechufer gibt’s perfekte Plätze, um den Sonnenuntergang mit einem guten Schluck zu begleiten – und das Städtchen hat was. Jedenfalls kann man es sich garantiert dort einen Abend richtig gut gehen lassen.
Man sieht sich!

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Unter Schafen

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Die Ziege als Nutztier wird ja aktuell von manch Zeitgenossen gerne paraphil interpretiert und als struppiges Mittel der Verunglimpfung genützt.
Im historischen Kontext betrachtet… aber das führt jetzt in den Wald, respektive auf die Weide.

Man sollte sich mal mit ihrem Verwandten, dem Schaf beschäftigen.
Nein – nicht weil das Tier flauschiger wäre – völlig falsche Fährte. (trotz Woddy Allens „was sie schon immer über Sex wissen wollten“).

So – jetzt einen problemlosen Übergang zu meinem jüngsten Erleben zu schaffen, scheint nicht ganz einfach.
Vielleicht: Am Anfang war das Schaf – und dann kam ich vorbei.
Ganz im Norden, sind sie mir unlängst begegnet (oder ich bin ihnen über den Weg gelaufen – je nach Betrachtungsweise), an der rauen See, zu der er mich wieder mal gezogen hat.
Dort an den Deichen tummelten sie sich in allen Größen und Stimmlagen oder besser: Sie haben mich umgeben wie der Wind und das Meer.
Wobei interessant: Wenn man darauf lauscht, kann man feststellen, dass jedes Schaf seinen individuellen Laut von sich gibt. Das ist aber nur bemerkenswert für Leute, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, quasi Schäferdiplom.
(Das Blök-Konzert wäre mal eine Idee für die Esoteriker, in Variation zur ausgenudelnden Buckelwalgesangs-CD)
Auffallend ist, dass sich überall dort, wo wollige Gesellen an Halmen mümmeln, eine seltene Ruhe und Gelassenheit über Land und Leute legt. Fast, als hätten die kuschligen Knäuel die Macht über Hast und Hektik und könnten sie auf magischem Weg verschwinden lassen.
Das kann man in Norddeutschland genauso erleben, wie etwa in Irland, Anatolien oder im Süden Neuseelands.
Für die wissensdurstigen Freaks: „Pastoralismus“ ist das Zauberwort dabei. (Hat nix mit der Kirche zu tun, obwohl es auch die gern mit den Schäflein hat).
Vielleicht könnte man daraus eine Formel kreieren.
Schaf X Quadratkilometer Boden = Relaxfaktor. Davon noch die durchschnittlich anwesenden Menschen bzw. Smartphones subtrahieren. Perfekt. Je höher die Zahl, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Entspannung. Möglicherweise sollten das die Urlaubsveranstalter mit in ihre Programme aufnehmen. Der sogenannte „Schaffaktor“.

Wer beim Lesen bis dahin durchgehalten hat, fragt sich vielleicht ob der spinnerte Krause jetzt zum Zoologen mutiert ist.
Nein, Schafbetrachtungen bleiben eben nicht aus, wenn man sich in Gegenden herumtreibt, in denen es an Menschen grundsätzlich mangelt. (Was du in der Großstadt erlebst, ist sonst eher der Mangel an ausreichend Platz im Biergarten und Schlaf aus diversen verständlichen Gründen).
Um philosophisch noch eins draufzusetzen – die Viecherl lassen den bedeutsamen zerfranst-politischen, misanthropischen Firlefanz, und was sich sonst Dunkles im Hirn ansammelt, unter ihrer Wolle verschwinden – und gut ist es, dass mal nix wichtiger ist, als ein Büschel Gras und ordentlich Wind um die Ohren.
Und dass man nach so einer Schafskur seinen Mitmenschen wieder mit größerer Aufmerksamkeit („Achtsamkeit“ sagt der Initiierte) und Gelassenheit begegnen kann, verhindert auch, dem ein oder anderen Schafsschädel ruckzuck ein paar zwischen die Hörner zu geben. Auch daran gäbe es keinerlei Mangel in der Stadt.

Ach ja – abseits vom wuschligen Treiben noch ein paar News:

Wer mich live und lesend erleben will, sollte sich den 17ten September vormerken – näheres demnächst hier.

Derweil ist aktuell wieder ein schicker, kleiner Text über „Hurenballade“ erschienen, der mich arg gefreut hat.
Look at this:
http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=22424

Und by the way:

„Meine Muse fühlt die Schäferstunde,
Wenn von deinem wollustheißen Munde
Silbertöne ungern fliehn.“

aus: „Die Entzückung an Laura“
von Friedrich Schiller

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Interview mit dem Autor

noch ein paar News aus der digitalen Welt:

Auf der ABS -Leseecke gibt es ein Interview zu lesen, dass die Ann-Bettina Schmitz mit mir geführt hat. Es geht ums Schreiben, um Hurenballade und mehr…

Wer bei mir ein wenig hinter die Kulissen schauen will, sollte hier klicken:

Interview mit dem Autor

Und wessen Neugier noch nicht gestillt ist, für den gibt’s die neue Seite:DSC03554

Hurenballade.wordpress.com

mit allem Interessanten zum Buch

 

Allzeit besten Stoff zum Lesen wünscht Roland Krause

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In Stein gehauen

Stein

Das ist ein alter Bekannter von mir.

Er starrt am Rande eines kleinen Grünstreifens in München unbeachtet auf den Boden, als Teil eines behauenen Quaders, der dort herumliegt. Offensichtlich ist der Klotz dort weggehauen, entsorgt worden.

Nicht weit weg gibt es diverse Museen, vollgepackt mit ausstellungswerten Sahnestückchen respektive Kleinodien und das Haus der Kunst zeigt halt Kunst.

Warum der Brocken gerade dort flackt, weiß der Geier.

Großes Steinmetz-Kino wird es nicht sein, in den Augen der Kuratoren, Restauratoren, Sachverständiger und Maurergesellen.

Mir aber gefällt sein Ausdruck. Fast als hätte er eine lebende Vorlage gehabt. (Hab ich den nicht schon mal gesehen – und wenn ja, wo?)

Er könnte auch ein Unglücklicher aus einem Terry Pratchett Roman sein, den ein Zauberer in Stein verwandelt hat.

Wenigstens hat er Schwein gehabt, das ihn der Feinstaub nicht vollrußt. Da geht’s ihm besser wie seinen Äquivalenten an Brunnen und Fassaden und den Sterblichen, die durch die vollgepropften Strassen hasten, sowieso.

Letzten Endes scheint es ja Roulette zu sein, was in der an-fassbaren Welt der Vergessenheit anheim fällt oder ewiglich auf dem Podest stehen, beglotzt und beklatscht werden darf.

Zumindest hab ich meinen Beitrag geleistet, dass der steinige Bursche in der digitalen Welt noch einmal ein kleines Comeback feiern kann. Und das ist ein guter Gedanke.

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Wortspektakel

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Wer am Samstag den 30.4. buntgemischte, spannende Wortkunst an außergewöhnlichen Orten erleben möchte, sollte das nicht verpassen:

Hörgang

Ich bin an diesem Abend lesenderweise dabei, freu mich drauf

… und danach kommt das Fest…

 

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